Mikroabenteuer – “Schlafen unterm Sternenhimmel”

“Eine Nacht allein unter freiem Himmel schlafen? Du hast sie doch nicht mehr alle.” – Das ist es was einige zu mir sagten und auch ein Teil von mir zu mir selbst, als ich über mein Vorhaben nachdachte. Durch ein kleines Buch namens “Outdoor Mikroabenteuer Hamburg” bin ich auf das sogenannte Biwaken gestoßen. Biwaken ist grundsätzlich in Deutschland überall erlaubt. Dabei schläft man quasi unter freien Himmel, mit z.B. nur einem Schlafsack und Isomatte, der Aufbau eines Zeltes ist nicht erlaubt, denn dies wird schon als Camping gewertet. Tja schon der Gedanke daran im Dunkeln irgendwo draußen rum zu liegen lässt einen den Puls höher schlagen und die natürlichen Instinkte schreien, man solle doch lieber im warmen sicheren Bett schlafen. Was aber wenn das Gefühl der Natur näher sein zu wollen überwiegt? Man ein Abenteuer erleben will? Und einfach mal wissen möchte wie der eigene Körper auf solche Situationen reagiert? Dann muss man halt mal seine Komfortzone verlassen und sich rauswagen.

Und genau das habe ich letzte Nacht getan. Ein guter Anlass war, dass in dieser Nacht besonders viele Sternschnuppen zu sehen sein sollten. Da auch im Buch beschrieben stand, dass man aufgrund der ganzen Geräusche die erste Nacht wahrscheinlich eh nicht schlafen kann, hätte ich dann wenigstens was zum Anschauen. Ein Freund sagt mir ich bräuchte derzeit ein Schlafsack mit der Komforttemperatur von ca. -10 Grad. Mhm meiner hat eine Komforttemperatur von 10 Grad, fehlt das Minus und ich hab gerade keine Lust zu warten bis ein neuer Schlafsack bei mir ankommt. Und was wenn ich jetzt ‘nen teuren Schlafsack kaufe und von der ganzen Sache da draußen überhaupt nix halte? Also lieber erstmal ausprobieren… Mit jede Menge Kleidung und ner dicken Decke bewaffnet (die habe ich übrigens mal von meinen lieben Großeltern bekommen) sattelte ich mein Fahrrad und es ging 19Uhr zum Hummelsbüttler Müllberg, keine Stunde von mir zu Hause entfernt.

Angekommen war es dann irgendwie anders als ich es mir vorgestellt hatte. Ich dachte das wäre so voll abgelegen und ich wäre so gut wie allein. Allerdings ist der Berg ein beliebtes Ausflugsziel für viele Hamburger. Die Anwesenheit der anderen nervte mich anfangs etwas, gab mir dann aber ein Gefühl von Sicherheit. Mit Einsetzen der Dunkelheit rollte ich meine Isomatte und den Schlafsack aus und kroch mit gefühlten zehn Lagen Kleidung hinein. Die dicke Decke legte ich über den Schlafsack. Ich telefonierte noch mit einer Freundin während nach und nach die meisten Besucher den Berg verließen. Völlig vertieft in den Sternhimmel und ins Telefonat, schreckten mich mehrere Lichter auf. Die Polizei war gekommen und kontrollierte die restlichen Besucher. Diese hatten sich (ich weiß nicht ob sie zusammen gehörten) zu eine großen Gruppe (8-10 Leute) zusammen getan und den Blick auf Hamburg genossen. Was genau besprochen wurde weiß ich nicht, auf jeden Fall mussten alle gehen. Zu mir kam nur eine nette Polizistin, versicherte sich dass ich ohne Begleitung war und kurz darauf war ich dann nun wirklich allein…ganz allein. Gegen 0 Uhr beendete ich das Telefonat mit meiner Freundin und hörte dann nun alle Geräusche der Nacht…

Der Wind rauschte durch Büsche und Bäume, es knackte im Unterholz und dazu kamen andere unbekannte Geräusche. Am Anfang fuhr ich bei jedem Knistern und Knacken hoch und schaute mich um, mein Adrenalinpegel rauschte durch die Decke und ich versuchte jedes Geräusch zu analysieren und zuzuordnen. Ich erinnerte mich daran wie der Ort bei Tag aussah um einzuschätzen woher welches Geräusch kam. Einmal erschrak ich sogar vor meinem eigenen Atem… 😀
Nach einer Weile aber entspannte ich mich beobachtete die Sterne, sah die ein oder andere beeindruckende Sternschnuppe und bemerkte die Müdigkeit auf meinen Augenlidern. Ich stellte mir den Wecker um nicht zu verschlafen und ließ den Dingen ihren natürlichen Lauf. Bis auf die Kälte die mir gefühlt überall hin kroch und mich anschrie mit den Worten “naaaaa ist der Schlafsack zu kaaaalt?” schlief ich recht gut. Immer wieder wachte ich kurz auf, da ich ein Geräusch hörte, aber dies ließ mich nicht mehr vor Angst erstarren sondern ich hörte genau hin, schaute mich vielleicht kurz um und schlief dann weiter…

Am Morgen wurde ich von einem wunderschönen Vogelorchester geweckt. Ich lag da, sah wie die Sonne ihre ersten Strahlen voraus schickte während die Sterne noch hoch am Himmel standen und lauschte einfach den Vogelstimmen in den unterschiedlichsten Tonlagen. Perfekt aufeinander abgestimmt und aus ganzer Kraft spielten sie ein traumhaftes Konzert. Ich genoss noch etwas die Unterhaltung bis die Sonne dann selbst am Horizont auftauchte. Da packte mich dann auch endlich die Fotolust. Nach ein paar Schnappschüssen sammelte ich dann meine Sachen zusammen und radelte nach Hause…

mein Schlafplatz
Ausblick vom Berg
auf dem Heimweg

4 Kommentare bei „Mikroabenteuer – “Schlafen unterm Sternenhimmel”“

  1. Du bist eine verrückte Nudel, aber denke es war sehr schön. LG biene

    1. unterwegsmitanja sagt: Antworten

      Hihi ja so ein bisschen bin ich das 😀 ja es war total schön und wird auf jeden Fall wiederholt…mit besserem Schlafsack 😀

  2. Hallo meine Liebe,ich bewundere deine Abenteuerlust….du bist Mega…toll,dass du das gemacht hast…du inspirierst mich sehr,dafür danke ich dir.
    Fühle dich umarmt von mir…. Liebe Grüße
    Sandra

    1. unterwegsmitanja sagt: Antworten

      Meine Liebe, vielen Dank für die schönen Worte. Du bist auch ein unglaublich toller Mensch und es freut mich unglaublich dass ich dich inspiriere kann. Ich umarme dich zurück. 🙂

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