Unterwegs auf 4 Rädern

Odyssee des Waschens, Paella und Churros…

Odyssee des Waschens, Paella und Churros

„Zum Reisen gehört Geduld, Mut, guter Humor, Vergessenheit aller häuslicher Sorgen und dass man sich durch widrige Zufälle, Schwierigkeiten, böses Wetter, schlechte Kost und dergleichen nicht niederschlagen lässt.“

– Adolph Freiherr Knigge –

Nach ein paar Tagen Ruhe an der Küste von Peñíscola war es Zeit für etwas mehr Trubel und Erlebnis. So machten wir uns am 13.01.2022 auf den Weg nach Valencia. Wir hatten uns einen Stellplatz südlich der Stadt herausgesucht, wollten aber bevor wir uns dort niederlassen noch schnell Wäsche waschen.
Google Maps zeigte uns einen Waschsalon kurz vor unserem Stellplatz an. Na der klang doch gut. Liegt ja auf dem Weg. Die letzten paar hundert Meter vorm Ziel, fragte ich mich in welcher Seitengasse dieser denn nun versteckt war. Wir fuhren seit wenigen Minuten durch immer enger werdende Straßen und an überfüllten Parkbuchten vorbei. Dann tauchte der Waschsalon auf unserer linken Seite auf. An einer Hausecke gelegen, mit Parkplätzen an der Straße vor der Tür. Klingt gut oder? Einziges Problem, alle Parkplätze waren belegt. Joëlle meinte gleich, für sie wird es hier besonders schwierig werden ein Parkplatz zu finden ohne mit der Hälfte des Autos auf der Straße zu stehen. Ok, dann fährst du schonmal zum Stellplatz und ich mach das hier allein. Sie gab mir ihre Wäsche. Ich fuhr eine Runde um den Block und fand zum Glück einen Parkplatz. Während ich zurück zum Waschsalon lief, schickte ich Stoßgebete in den Himmel…Bitte lass mich genug Kleingeld haben…Wenn es ein Geldwechselautomaten gibt, bitte lass ihn 20€ Scheine wechseln… Angekommen sah ich, der Automat nimmt nur 1€ und 50ct Münzen und der Automat wechselt nur 5€ und 10€ Scheine…Ja super. Ich rechnete kurz durch was Reinigung und Trocknung kosten wird und stellte fest, mit den 50ct und 1€ Münzen die ich habe sollte es einwandfrei klappen. Toll. Dann ist ja alles super und ich kann die Maschinen beladen. Moment. Waschmittel. Wo ist das? Ahja bei Joëlle im Auto. Top. Dann erstmal in den nächsten Supermarkt und neues kaufen.
Zweiter Versuch, 1. Maschine befüllt. Wo kommt hier eigentlich das Waschmittel hin? Ach das ist inklusive. Top. Der Einkauf war quasi etwas umsonst. Naja egal, irgendwann brauch ich sicher wieder welches. Geld rein. 1. Maschine läuft.
2. Maschine befüllt. 50ct Münzen rein. 1€ Münzen rein. 1€ Münzen kommen wieder raus. Nochmal. Gleiches Ergebnis. Ok die Abbruchtaste hängt fest, deswegen kommt er immer wieder raus. Repariert. Nochmal 1€ rein. Kommt wieder raus. Dann ist die Mechanik wohl kaputt. Dann nehme ich die andere Maschine. Nur noch fix die 50ct Münzen wieder raus holen. Ach toll, da funktioniert die Abbruchtaste nicht. Dann brauch ich wohl doch Wechselgeld. Beim freundlichen Gemüsehändler ums Eck bekomme ich die 1€ Münzen gewechselt. Na läuft doch. Also Geld rein, Waschmaschine läuft. 30min werden mir angezeigt. Vor der Tür ist ein kleiner Park. Ich lese etwas und genieße dabei die Sonne.
Nach den 30min ist die Wäsche fertig. Trockner befüllt. Geld rein. Läuft. Das gefällt mir. Nochmal 15min warten. Kein Problem, ich hab die Sonne und ein Buch. Nach den 15min, Trockner 1 fertig, Wäsche trocken, Trockner 2 fertig, Wäsche noch feucht. Ok, gaaar kein Problem, ich hab noch Münzen übrig. Dann nochmal 10min warten. Also lesen und Sonne genießen. 10 min später, Trockner fertig, Wäsche immer noch feucht. Eine 50ct Münze hab ich noch. Nochmal knapp 10min. Das sollte doch jetzt klappen. 10 min später…Wäsche immer noch feucht. Ok dann nochmal Geld wechseln gehen. Der Gemüsehändler hat schon zu. Das freundliche Restaurant um die Ecke verschafft mir Abhilfe. Ich wechselte hier gleich eine 2€ Münze. Nun sollte es reichen. Trockner nochmal für 20min eingestellt. Geld nimmt er ohne Probleme… Ich glaube jetzt läuft es. Nach 20min, trockene und weiche Wäsche. So mag ich das. Tatsächlich gut gelaunt, lege ich die Wäsche noch in aller Ruhe zusammen und mach mich nach etwas mehr als 2h dann endlich auf dem Weg zum Stellplatz. Dort werde ich schon erwartet. Joëlle findet die Story mindestens genauso amüsant wie ich. Auch wenn ich in der Situation selbst echt dachte dass mich da jemand gehörig verschaukeln will.

Am nächsten Tag, nach all unserer Morgenroutine, entspanntem Kaffee trinken und noch ner Runde lesen setzten wir uns gemütlich in Bewegung. Wir fuhren nur mit meinem Auto nach Valencia rein. Zum einen da es einfach unnötig ist mit zwei Autos zu fahren und zum anderen sollte es in der Stadt fünfspurige Kreisverkehre geben. Bei dem Gedanken daran fuhr es Joëlle kalt den Rücken runter, während es mir dabei vor Vorfreude in den Finger kribbelte. Solche verrückten Kreisverkehre wollte ich schon immer mal fahren. Ich sag euch die sind super spannend. Wir fuhren auf einer vierspurigen Straße, die in einen fünfspurigen (oder waren es mehr?) Kreisverkehr mündete in dem keinerlei Linien oder Spuren mehr eingezeichnet waren. Es war ein Blechchaos aber dennoch fand jedes Auto seinen Weg. So auch wir. Was ein Gefühl.

Vom Parkplatz in die sehenswerte Innenstadt waren es ca. 20 min zu Fuß. Das war völlig ok. Der Weg dahin war einfach schon spannend. Der äußere Ring der Stadt bestand es Hochhäusern, lauten Hauptstraßen, Einkaufszentren und so weiter. Die Altstadt hingegen war wieder durchzogen von kleinen Gassen, alten traditionellen Häusern mit unzähligen Balkonen, imposanten alten Bauwerken und kleinen Plätzen umringt von Kirchen, Markt und co. Wir schauten uns alles an und liefen dabei ordentlich kreuz und quer durch die Stadt. Die Markthalle sollte nicht fehlen. Allerdings mussten wir feststellen, dass diese schon geschlossen war. Öffnungszeiten waren nur von 8-15Uhr…Wir hatten wohl bisschen zu sehr getrödelt morgens. Aber nicht schlimm.

Ich brauchte noch mobiles Internet und wollte mir dafür eine spanische SIM Karte kaufen. Außerdem wollten wir noch etwas in den Süden der Stadt laufen. Hier sollen noch Häuser der Kunst stehen die unglaublich beeindruckende und futuristische Bauwerke darstellen sollten.

Der ausgewählte Handyladen machte erst ab 18Uhr auf, also ging es erst in den Süden der Stadt. Wir hatten schon jede Menge Schritte auf dem Schrittzähler und langsam schmerzten auch die Füße aber diese Sehenswürdigkeit auslassen wollten wir dann auch wieder nicht. Also ging es durch den Grünstreifen der Stadt zu unserem Ziel, „Ciudad de las Artes“. Die Umgebung und die Gebäude dieses Stadtteils waren wie von einer anderen Welt. Joëlle und ich fühlten uns wie in ein Zukunftsfilm katapultiert. Gebäude mit abstrakten Formen, angelegte Wasserbereiche und dazwischen Wege aus hellem Steinboden und schwebend wirkenden Bänken. Einfach beeindruckend. Auf dem einen Wasserbereich konnte man sogar mit kleinen Kanus oder elektrischen Booten fahren.
Plakate und Anzeigetafeln ließen erkennen, dass in diesen Gebäuden verschiedene Konzerte, Opern, Theater- und Tanzaufführungen und und und stattfinden.
Einen Teil des Viertels lag ein paar Etagen höher und war wie ein kleiner Garten angelegt. Hier fanden anscheinend abends kleine Partys statt, zumindest bot sich das hier an. Der Garten war mit einem offenen Drahtgeflecht überdacht der von Pflanzen teilweise bewachsen war. Nach kurzer Zeit entdeckten wir dann kleine Papageien die sich dort eingenistet hatten und diesen Garten wohl ihr zu Hause nannten. Schon wieder einfach nur beeindruckend für uns.

Langsam machten wir uns auf dem Weg zum Handyladen. Wir durchquerten ein eher neueres Stadtviertel, mit vielen Wohnhäusern und kleinen Läden überall am Straßenrand. Wir gingen an einer breiten Einfahrt vorbei, blickten zeitgleich in den dahinterliegenden Hof und sahen eine Wiese mit Zäunen, kleinen Holzhütten und…Katzen? Das mussten wir uns genauer anschauen. Tatsächlich, da waren überall Katzen. Das Areal war eingezäunt, in mehrere Bereiche unterteilt, riesig groß und überall standen kleine Hütten. Es war anscheinend eine Auffangstation für Katzen. Mitten in der Stadt, umringt von Wohnhäusern. Wiedermal waren wir beeindruckt und überwältigt. Eine Frau war gerade dabei die Hütten zu reinigen und die Katzen zu füttern. Ein Banner verriet uns dass es sich hierbei um die Einrichtung WaikikiGats handelt. Sie retten Katzen und geben ihnen hier ein Zuhause. Man kann sie auch mit einer kleinen Spende über ihre Webseite unterstützen. Ein tolles Projekt und unserer Meinung nach erging es den Katzen hier sehr gut.

Ein paar Fotos später ging es dann endlich zum Handyladen. Ich war etwas aufgeregt. Ich spreche ja schon ein wenig spanisch, aber eine Prepaid SIM Karte mit dem passenden Tarif zu bestellen war jetzt auch mir neu. Der Mann in dem Laden war super freundlich und freute sich sichtlich über unseren Besuch. Er verstand sofort was ich wollte und schrieb mir einen möglichen Tarif (120 GB für 50€) auf. Ok so viel Internet brauch ich dann auch wieder nicht, erklärte ich ihm. Er war gleich hellauf begeistert dass ich ja spanisch spreche und verstehe und zählte mir alle möglichen Tarife in galaktischer Geschwindigkeit auf. Ähm ja…Vielleicht hätte er das doch nochmal schriftlich? Mein Spanisch ist gut aber wenn es so schnell geht, wird es dann doch etwas schwer. Wir fanden einen passenden Tarif für mich. Plauderten noch etwas und dann ging es weiter.

Langsam kehrte der Hunger ein und wir entschieden uns in der Stadt zu essen. Vielleicht gibt es ja was passendes. Und das gab es! Wir aßen am Marktplatz in einem gut besuchten Restaurant eine super leckere Paella. Sie war einfach perfekt und der Kellner war beim Abräumen mehr als erstaunt, dass wir nicht ein einziges Reiskorn in der Pfanne gelassen haben.
Das war was wunderbar herzhaftes aber jetzt gelüstete es uns noch nach was süßem. Wie wäre es mit Churros? Ein kleines Café hatte noch geöffnet. Vier Stück wäre eine Portion. Vier Stück? Da bricht ja der Krieg zwischen uns aus. Nehmen wir acht. Und jaaaa auf jeden Fall die warme Schokosoße dazu.
Im Stechschritt ging es zum Auto. Dort packten wir alles aus und mussten feststellen, dass die Churros hier in Spanien deutlich größer und länger sind als in Deutschland. Ungefähr doppelt so groß. Na gut, jetzt verstanden wir auch warum die Frau uns so komisch ansah als wir die doppelte Portion wollten. Die Schokosoße war mehr als ausreichend. Somit konnten wir jedem einzelnen Bissen ein ordentliches Schokobad unterziehen.

Am nächsten Tag starteten wir etwas früher nach Valencia. Wir wollten nun endlich die Markthalle besichtigen. Die Halle hatte innen fest aufgebaute Stände mit einfach allem was das Herz begehrt. Es gab hier nicht nur frisches Fleisch, frische Meerestiere und frisches Gemüse sondern auch Kräuter, Brot, Eingemachtes, Kochutensilien, Tee, Kaffee, trockene Lebensmittel wie Reis, Nudeln und Nüsse und so weiter. Die Auswahl war riesig und wir wiedermal überwältigt. Wir probierten einen Horchatadrink. Das typische Getränk hier, aus Erdmandeln hergestellt. Es schmeckte…anders. Etwas nach Erde und Nuss. Wir konnten es nicht einordnen. Und das Kribbeln in meinem Mund und Gaumen verriet mir, dass ich wohl dagegen allergisch bin. Na gut, haben wir das mal probiert. Nochmal brauchen wir das nicht. Aber zum probieren würde ich es dennoch weiterempfehlen. Jeder Gaumen ist ja schließlich anders.

Wir verabschiedeten uns von Valencia mit dem Genuss einer unglaublich leckeren Empanadilla, einer gefüllten Teigtasche und zogen mit neuen Endrücken weiter.

Altstadt Valencias
Typische Straßenbepflanzung in Spanien – Orangenbäume
Altstadt Valencias
Altstadt Valencias

Cuidad de las Artes

Waikiki Gats – Katzenauffangstation

Altstadt Valencias am Abend

Paella mit Meeresfrüchten
geschlossene Markthalle

offene Markthalle mit Innenansicht

Sonnenaufgang an unserem Stellplatz bei Valencia

4 Kommentare

  • Ines

    Heute hab ich endlich deine letzten beiden Beiträge in Ruhe gelesen und wieder genossen. Du hast so schön unterhaltsam geschrieben….und traumhafte Fotos gemacht, als wäre man dabei. Genieße deine Auszeit…und ich freue mich schon auf deine nächsten Berichte und tollen Fotos

  • Anonymous

    Wieder super geschrieben, als wäre man dabei ja mit dem Auto da denk ich oft daran wo Ines in den Berg gefahren ist und wir wieder zurück mussten, ich und Karin haben uns vor Lachen nicht mehr eingekriegt. Aber Ines hat es ja super gemeistert viel Spaß noch und passt auf euch auf.

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