Unterwegs auf 4 Rädern

Rec.On

„Die beiden schönsten Dinge sind die Heimat, aus der wir stammen, und die Heimat, nach der wir wandern.“
Heinrich Jung-Stilling

Wir fuhren in ein neues Gebiet von Spanien. Die Landschaft glich einem Westernfilm. Der Tag neigte sich dem Ende zu, wodurch die Kulisse noch bezaubernder wurde. Es ging bergauf und bergab. Mein Navi sagte auf einmal „hier rechts abbiegen“…Mhm…auf der Beschreibung meines Kontaktes zu diesem privaten Stellplatz sah das irgendwie anders aus und irgendwie ist hier auch keine Straße die nach rechts geht und irgendwie habe ich das Gefühl das wir falsch sind. In einer Parkbucht halte ich an. Joëlle fragt mich was zum Teufel denn mit meinem Navi los wäre, ihres wäre vor etlichen Kilometern schon abgebogen. Ja als ob ich das wüsste. Ich startete die Suche neu und auf einmal hatten wir noch 20min Fahrt vor uns…die Hälfte davon ging den gleichen Weg zurück. Das Gute daran war, wir hatten einen atemberaubenden Ausblick, das Schlechte, wir hatten beide ziemlichen Hunger wodurch unsere Stimmung nun doch schon etwas gereizter war.
Nach den besagten 20min sah ich dann endlich das Schild…“Rec.On„. Wir haben es geschafft. Wir fuhren auf den Platz und Paulina, die Besitzerin, kam uns herzlichst und freudestrahlend entgegen. Wir sollten uns ein schönes Plätzchen raussuchen und dann den anderen an der Feuerstelle Gesellschaft leisten. Es gibt ein leckeres Barbecue. Na da hat wohl jemand unsere Stimmung schon erkannt bevor wir kamen.

Wir richteten uns ein und gesellten uns dann zum Lagerfeuer. Am Feuer trafen wir auf Paulina und Bart, die Besitzer des Projektes und noch auf einige andere Reisende, allein oder als Pärchen, gemeinsame Freunde, egal, es wurden immer mehr. So füllten sich die aus alten Paletten gebauten Sitzbänke um das Feuer. Gesprochen wurde in englisch, deutsch, spanisch, französisch, niederländisch und polnisch. Wobei ich nur in den ersten drei Sprachen mitreden konnte.
Nach kurzer Zeit wurde der Tisch dann mit allerlei leckeren Sachen gedeckt. Es gab gegrillte Chorizo, Baguette, Kartoffelsalat, leckere Hähnchenschenkel, verschiedene Dips und Gemüse. Das befriedigte unseren Hunger zu 1000%.

Bart und Paulina kommen aus Polen und haben sich in Spanien ein schönes Stückchen Land gekauft. Mit ihrem Upcycling Produkten waren sie in Polen sehr berühmt. Es lockte sie aber nach Veränderung und so zog es sie nach Spanien. Ein neues Upcycling Projekt entstand. Ausgelegt vor allem auf digitale Nomaden haben sie ein zu Hause für Reisende geschaffen. Egal ob für eine Nacht oder für ein paar Monate, jeder findet hier seinen Platz. Alles ist aus Upcycling Produkten hergestellt bzw. gebaut. Es gibt eine kleine Außenküche, ein Baumhaus aus Paletten, einen Gemüsegarten, überall Hängematten zum entspannen, ein wunderschönes Badezimmer mit heißer Dusche und den Galery Room. Hier kann man die upcycling Produkte von Rec.On sich anschauen, im Internet surfen, Spiele spielen oder auf der verschlingenden Couch liegen und Netflix schauen. Es ist einfach alles da.

In den nächsten Tagen lernten wir einander besser kennen und es gab fast jeden Abend ein Feuer. Bart erzählte von der selbstgebauten Sauna…der warte was?…da nachts die Temperaturen auf ca. 0 Grad und noch tiefer fielen Klang die Sauna mehr als verlockend. Die Upcycling Sauna ist ein kleines Zelt mit einem Holzgerüst und Dämmung mit Stroh und Matratzen. Im Lagerfeuer werden über den ganzen Abend riesige Steine erhitzt. Diese werden dann frei von Glut und Asche in das Zelt gelegt und man setzt sich ringsherum. Die Steine werden in regelmäßigen Abständen mit Wasser übergossen und schon ist die Sauna fertig.
Mit diesem System erreichten wir locker 90 Grad. Einfach wie eine richtige Sauna. Was zum Saunagang natürlich dazugehört ist die anschließende Abkühlung. Dafür stand ein Wassertank direkt neben dem Zelt zur Verfügung. Bei Außentemperaturen unter null Grad brauche ich wohl kaum erwähnen wie kalt das Wasser war. Aber einmal tief einatmen und ab rein ins eiskalte Nass. Danach abtrocknen, warm anziehen und wieder ans warme Feuer. Das war der beste Saunagang den ich jemals hatte! Natürlicher geht es kaum noch.

Jeden Morgen kam Paulina vorbei und brachte zu jedem Van frisches Baguette. Das war im Preis inklusive und Joëlle und ich begeistert. Während die anderen tagsüber Ausflüge machten oder wandern gingen oder arbeiteten, war uns nach Entspannung. Wir genossen die warmen Sonnenstrahlen in der Hängematte und ruhten uns einfach mal aus.
In der einen Nacht waren dann -5 Grad angesagt. „Ob wir das hier verbringen sollen?“, fragten wir uns. Ich hab keine Heizung in meinem Bulli aber ich hab eigentlich auch keine Lust wegzufahren. Na komm wir probieren es. Mit allen Decken die ich hab, dick angezogen, mit Mütze und einer Wärmflasche wappnete ich mich für die Nacht. Ich schlief super durch ohne zu frieren. Meist ist die Nacht auch tatsächlich nicht das Problem, sondern der Morgen…und der hatte es in sich. Ich wachte auf und zog neben mir den Vorhang zur Seite. 7:30Uhr morgens, es wird langsam hell, aber warum kann ich nicht rausschauen. Oh meine Scheiben sind gefroren…von Innen!!! Ein Blick aufs Thermometer: -2 Grad. Respekt, das haben wir schonmal überlebt. Ich wickelte mich in noch ein paar Schichten Kleider mehr und setzte ich mich raus für meine Morgenroutine. Ich fand einen schönen Platz mit Blick über das ganze Gelände.
Halb durchgefroren ging es dann zum morgendlichen Kaffee. Zwischen 9 und 11Uhr gibt es jeden Morgen einen leckeren Kaffee in einem wundervoll lieben und, ganz wichtig, eingeheizten kleinen Raum. Man trifft sich hier und redet über das Leben, Pläne und Träume. Manchmal gab es auch eine Kleinigkeit für den Magen. Das nenne ich einen perfekten Start in den Tag.

So blieben wir ein paar Tage. Irgendwie wollten wir einfach nicht weg. Am Freitag gab es mittags original spanische Paella und abends machten wir mit Paulina und Bart eine Tapastour durch Vélez-Rubio. Wir starteten mit einer kleinen Besichtigung ihres Hauses in der Stadt. Dann ging es weiter, von Bar zu Bar und überall gab es Tapas. Wir aßen Muscheln, Garnelen, Pizza, Croquetas und einiges mehr. Abschließend ging es dann noch in eine Diskothek. Wir blieben bis wir die letzten Gäste waren. Wir tanzten, spielten Tischkicker und Dart. Es war ein zauberhafter Abend und ich danach völlig kaputt. Nichts mehr gewohnt? Daran lag es nicht, ich brütete eine fette Erkältung aus, die mich am nächsten Tag komplett umhaute. Ich schlief bis mittags und schleppte mich dann in den Gallery Room um in einem der Sofas zu versinken. Joëlle verschwand in der anderen Couch und wir ließen uns von Netflix berieseln. Mit viel Vitamin C, Tee mit Honig und Buchstabensuppe lies es sich aushalten. Und auch wenn in der Buchstabensuppe alle Buchstaben drin waren, ich hatte nämlich Joëlle gebeten mir alle Buchstaben rauszulesen und nur die A‘s drin zu lassen, was sie aber unverständlicherweise nicht getan hat, war ich in 3 Tagen wieder fit. Joëlle auch, ich hatte sie nämlich angesteckt.
Wir waren nun fast eine Woche in Bolaimi und langsam zog es uns weiter. Ich ging noch einen Tag mit Louise und Martin von Gustav-Abgefahren wandern. Es trieb uns auf den Gipfel des nahe gelegenen Berges. Die Wanderung war traumhaft, die Aussicht vom Gipfel neblig. Dennoch wurden wir auf dem Abstieg mit einem wunderschönen Panorama entlohnt.

Nach exakt einer Woche in Bolaimi nahmen wir dann Abschied. Es war uns klar dass wir wiederkommen werden, dennoch viel der Abschied schwer… Bolaimi wurde zu einem zu Hause für uns. Nicht nur wegen der traumhaften Umgebung und den ganzen Einrichtungen, sondern wegen Paulina und Bart, die alles mit Herzblut aufgebaut haben, es in Stand halten und für jeden die Möglichkeit bieten ein kleines zu Hause auf Zeit zu finden.

Muchas gracias <3

Die Aussicht zu der uns mein Navi geschickt hat
Unsere Ankunft
Lagerfeuerromantik
Steine im Sauna Zelt
liebevoll eingerichtetes Badezimmer im Upcycling Stil
Unser Stellplatz
So entspannt es sich gut…
kalt…
sehr kalt…
sehr sehr kalt…
Mein Blick vom Meditationsplatz aus
Paella Friday
Velez – Rubio bei Nacht
Feuerstelle und hinter der Hängematte die Zelt Sauna
Bolaimi von oben
auf der Wandertour
den Gipfel erreicht mit Martin und Louise von Gustav-Abgefahren
Brauch jemand nen Kinderwagen?
Fiona hat immer alles im Blick
Und einmal den Hühnern hallo sagen…

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